2019 - Reisebericht Günter Ederegger

Kurze Vorgeschichte

Ich bin Günter Ederegger, mittlerweile 23 Jahre (2020) und leidenschaftlicher Weltenbummler. Als ich mit der Wintersaison 2018/2019 im Zillertal fertig war, stand ganz oben auf meiner “Reise-Wunschdestination” - Südamerika. Ich überlegte nicht lange als ich von der Skihütte zurück im Tal war & buchte anschließend sofort ein One-Way-Ticket nach Bogotá/Kolumbien. Anfang Mai 2019 war es dann soweit. Mit einem Direktflug von München nach Bogotá/Kolumbien, bin ich endlich angekommen nach einem ca. 13h Flug. Meine gesamte Reise ging aber 3 Monate und erstreckte sich über 3 Kontinente (Südamerika, Nordamerika, Asien) besuchte darunter auch 7 neue Länder, wie unter anderem (Kolumbien, Bolivien, Peru, USA, Singapore, Indonesien & Qatar).

 

Aber ein Land blieb mir ganz besonders in Erinnerung & im Herzen:

BOLIVIEN!

Tag 1 in Bolivien

Am 31.05.2019 bin ich am Flughafen VVI in Santa Cruz gut gelandet. Da ich vorher mich aber auch sehr gut an das vor Ort herrschende Klima, Kultur und an gewisse Sachen in Kolumbien gewöhnt hatte, war ich ganz entspannt und ruhig, mit voller Vorfreude auf Bolivien angekommen. Da es erst 02:00 in der Früh war, dunkel & kaum Mitfahrgelegenheiten vorhanden waren, überlegt man kurz, was mache ich jetzt. Übrigens ich spreche super Englisch, aber einen Satz Spanisch bringe ich kaum zusammen. Ich habe mir höchstens angewöhnt: Hola, como estas, qué tal?, Si, no, oder Cuanto cuesta“. Also fast schon aufgeschmissen ohne Spanisch in Südamerika. Da nicht nur in Bolivien, sondern in ganz Südamerika kaum jemand Englisch spricht, oder so schlecht, wie ich spanisch. Aber mein bester Freund auf dieser Reise war der „Google-Übersetzer“. Dieser half mir oft sporadisch aus. Nach langen hin & her, auf der Suche nach einem Wi-Fi Hotspot (da ich noch keine Bolivianische Sim-Karte hatte) fand ich letztendlich einen, für mich gut & sympathisch wirkenden Taxi-Fahrer der auch einen absolut fairen Preis mir für die Fahrt in das Zentrum angeboten hat. Die Fahrt kostete ca. 80 Boliviano = ca. 10 Euro für eine halbe Stunde Fahrt. Der Taxifahrer wartete sogar bis jemand aus dem Hotel zum Eingangstor kam, sodass alles reibungslos über die Bühne ging. Ich war nur mit meinem großen & kleinen Rucksack unterwegs (klassisches Backpacking). Einerseits denkt sich jetzt einer, was stellt sich der Junge so an, ist doch nichts dabei in der Nacht mit einem Taxi zu fahren, aber man darf nicht vergessen, wir sind immer noch in einem der ärmsten Länder in Südamerika, die Gefahr, vor allem nachts überfallen zu werden, als junger “weißer” Europäer ist hoch. Die wildesten Geschichten die einem erzählt werden, sind oft wahr, deshalb sollte man einfach vorsichtiger reisen als man es evtl. sonst wo tut. (Nachts umso mehr)

Mit natürlich wieder „kleinen“ Sprachproblemen am Hotel angekommen, meisterte ich es aber wieder mit viel Humor & Charme, und checkte völlig erschöpft in mein Zimmer ein. Der lange Flug machte auf sich aufmerksam. Dafür war die erste Nacht schnell vorbei.

Tag 2 in Bolivien

Am nächsten Tag wurde ich gleich von Schwester Rosa Maria abgeholt und herzlichst empfangen. Ein guter Kaffee am morgen zur Stärkung tat sehr gut. Rosa Maria kümmerte sich auch immer um jemanden, der mit mir Englisch reden kann und auch umgekehrt in Spanisch übersetzt. So wurde die sprachliche Hürde oft souverän gemeistert. Nach dem ersten Kennenlernen & Austauschen ging es gleich los zur Besichtigung des Kindergartens, etwas außerhalb des Zentrums. Auf dem Weg dorthin merkt man gleich, wie unterschiedlich die Welt lebt & arbeitet. Natürlich ist alles anders als  in Europa. Die Straßen waren holprig, kaputt, teilweise fuhr man auf Schotter. Der Verkehr ist extrem chaotisch, jeder fährt wie er will, die Autos von manchen würden niemals bei uns durch den TÜV kommen, aber das ist alles egal. Jeder versucht einfach, dem nachzugehen, was er tun muss und so irgendwie seine Familie zu ernähren. Auch auf der Fahrt zum Kindergarten merkte man gleich wie schlecht es den Leuten geht. Unter anderem lag extrem viel Müll neben der Straße, da es kaum jemanden dafür gibt, der außerhalb des Zentrums dies entsorgt. Dementsprechend war der Geruch auch nicht sonderlich gut. Das sind alles Bilder, die man aufnimmt, aber man weiß, es geht auch anders und das wollen viele auch so. Angekommen beim Kindergarten, ein ganz anderes Bild. Im Vergleich zu den anderen Häusern wirkte der Bau bzw. der Kindergarten-Komplex ganz anders. Man merkte, was hier Tolles geleistet worden war. Einige Kinder sind auf mich zugestürmt, obwohl sie mich überhaupt nicht kannten, einige wussten nur, dass ich ein Bekannter von Dr. Bernhard Spechtenhauser bin & ich im Lande bin, um mir vor Ort selbst ein Bild zu machen. So wurde ich herzlichst umarmt. Als wir einige Klassenzimmer besuchten, waren nicht alle so glücklich, teilweise weinten die Kleinsten, weil ein völlig neues & unbekanntes Gesicht vor Ihnen stand (verständlich). Die Kleinsten weinten meist, da sie Angst hatten, ich sei ein Doktor, der Ihnen eine Spritze oder sonstiges gibt (so die Schwester). Mich hat einfach fasziniert, was geschaffen wurde, in einer Region, wo man auf der Fahrt dorthin schon nicht die besten Eindrücke bekommt, aber dann umso mehr überrascht wird, wie toll alle zusammenhalten und glücklich sind. Eine Dame, ihre Kinder selbst in diesem Kindergarten untergebracht und sie in der Küche, sagte zu mir: „Ich würde am liebsten die Küche hier & das ganze Gebäude, was geschaffen worden ist, gar nicht mehr verlassen.” Alles ist so toll & das Dank euch. Ich fühlte mich natürlich nicht angesprochen, aber ich merkte wie die Leute dadurch neuen Lebensmut gefunden haben, glücklich & allgemein sehr dankbar waren. Viele haben dadurch auch nicht nur eine Option, Ihren Kindern eine Versorgung, Betreuung zu geben, sondern eine Ausbildung, die die Elternteile teilweise nie hatten.

Nach einem tollen ereignisreichen Tag ging es zurück in das Hotel. Ich machte mich etwas frisch und entspannte mich ein wenig. Am Abend wurde ich dann von Dr. Panozo samt seiner ganzen Familie abgeholt und zum klassischen traditionellen Bolivianischen Essen eingeladen. Die bolivianische Küche ist sehr zu empfehlen.

Tag 3+4 in Bolivien

Am Vormittag bei nicht freundlichen Wetterbedingungen und einer sehr kalten & regnerischen Nacht (zu dieser Jahreszeit ist “Winter” in Südamerika) ging es am Vormittag zu ein paar Familien in Not, die wir mit warmen Decken & Lebensmitteln versorgten. Ich dachte mir schon was auf mich zukommt. Heute wurden wir von Gustavo mit einem Pick-Up Wagen abgeholt mit Allradantrieb. Ich dachte mir schon, wofür sei dieses Auto nun nötig ?. Später in der Region angekommen zeigte sich warum. Man konnte es nicht eine Straße nennen sondern einen reinsten Feld-Matsch-Weg, den bei uns keiner mit normalem Schuhwerk betreten würde. Aber hier ist es normal, es gibt in dieser Region keine asphaltierte Straße, Schutzwege oder sonstiges. Es öffnet dir einfach stark die Augen, wie gut & fortschrittlich es zuhause ist, oder einfach, wie normal es für einen ist. Hier ist aber das Gegenteil und das faszinierte mich stark, wie die Leute trotzdem ihr Leben meistern. Nachdem wir mit Mühen uns zu versch. Familien durchackerten, konnte ich es kaum fassen, als wir eine junge Mutter antrafen. Sie wohnte in einem Stein-„Haus“, zu viert mit Ihren Kindern auf ca. 10qm, ein Bett, keine Küche (nur eine Gasplatte), kein WC, keine Heizung oder sonstiges, kein geschlossenes Dach, gar nichts…. Es war verdammt hart, dies mit anzuschauen. Ich dachte mir, schon allein die Decken sind ja nur das geringste, was wir Ihnen jetzt geben. Jedoch zeigte man eine unglaubliche Dankbarkeit. Die Leute waren so herzlich & warm gegenüber einem „Femden“, daß mich das selbst zu Tränen rührte. Das sind Umstände, die man zuhause sich niemals vorstellen kann. Man schätzt, mit wie wenig man sich zufrieden geben kann. Dieser Vormittag war sehr berührend und zeigte einem, wie krass das Leben in 2019 sein kann. Vielen geht es einfach extrem schlecht & viele haben absolut keine Zukunftsperspektiven, schulische Ausbildung oder eine Grundversorgung. Für viele nicht vorstellbar, aber leider die Realität.

Zu Mittag besuchten wir dann die Schule mit verschiedenen Altersklassen. Mir wurde natürlich fast jede einzelne Klasse gezeigt und vorgestellt, was sehr herzlich war. Vor allem eine Klasse mit Schülern & Schülerinnen waren auf meinen Besuch schon vorbereitet, und sie hatten eine ganz tolle Überraschung für mich bereitgestellt. Natürlich musste ein gemeinsames Foto gemacht werden für die Erinnerung. Der Junge, der mir die Puppe überreichte, wollte gar nicht, daß ich wieder gehe, da er sich einen großen Bruder sehr wünschte. Das bewegt dich dann schon sehr, wenn dir das die Kinder erzählen. Man sah wie die Kinder Spaß hatten am Unterricht ,und so mit einer ganz anderen Perspektive in die Zukunft blicken können. Es war einfach toll.

Anschließend zum Mittagessen in der hauseigenen Küche, wo Mütter der teilweise in der Schule untergebrachten Kinder groß aufkochen, um alle Satt zu kriegen. Eine Mutter teilte mir mit, sie habe nun einen Job, der Ihr etwas Geld im Monat einbringt, gleichzeitig sei ihr aber am meisten wichtig, daß Ihre Kinder nun eine tägliche Betreuung und schulische Ausbildung bekommen. Sie würde sogar in der Schule wohnen, weil hier alles vorhanden & toll ist. Zuhause schaut es leider sehr anders aus.

 

Nach tollen ersten Tagen in Santa Cruz, herzlichster Betreuung, und die ganzen Eindrücke, ging es für mich weiter nach Samaipata. Dort verbrachte ich einen Tag zusammen mit Pfarrer Juanito. Ein toller Ort für Wandertouren, die wir selbstverständlich antreten.

Tag 5 in Bolivien

In der Nacht von Tag 4 auf Tag 5 brachten mich 2 Vertraute von Pfarrer Juanito nach Comarapa. Es war mitten in der Nacht, das Auto war klein, die Fahrt war sehr lang, aber mit ein bisschen traditioneller Musik & einer Einweisung wie man „Cocablätter“ richtig kaut, verging die Zeit wie im Flug. Wohlgemerkt, alles ohne einen Satz Spanisch zu wechseln, da die 2 Herren natürlich absolut kein Englisch sprachen. Mit lustigen Handgesten oder einem Mix aus meinem miserablen „Spanisch-Italienisch“ Vokabular, brachte ich es dann schon gut verständlich rüber.

Tag 6 in Bolivien

Ausgeschlafen startete ich in den neuen Tag. Die Schwestern vor Ort begrüßten mich herzlich mit einem leckeren, einfachen Frühstück. Wohlgemerkt konnte vor allem eine Schwester wirklich gut Deutsch, was mir natürlich sehr weitergeholfen hat. Wir machten uns zusammen auf den Weg mit einen tollen alten VW-Käfer, zum Altersheim & einem Kindergarten. Mir wurden hier wieder einige Klassen vorgestellt bis hin zu den allerkleinsten teilweise erst 2 Jahre jung. Natürlich war die Angst vor einem neuen unbekannten Gesicht den Kleinen spürbar anzusehen. Im Altersheim war es dann vor allem interessant zu sehen wie fit manche, vor allem geistig, noch waren. Mir wurden die wildesten & fröhlichsten Geschichten auf Spanisch erzählt, natürlich verstand ich kein Wort, nickte nur freundlich und lachte mit Ihnen. Anscheinend war das die perfekte Antwort für sie. Mir wurde auch eine Art Apotheke, Arztpraxis vorgestellt, wo medizinische Mittel & Equipment von Brillos bereit gestellt wurden sind, gezeigt.

Tag 7 in Bolivien

Obwohl ich ein ganzes Monat in Bolivien verbrachte, will man dennoch so viel es geht von den Projekten und der Unterstützung von Brillos sehen & kennenlernen. Das Land gehört aber zu einem der 30 größten Länder (flächenmässig) und ist daher nicht so einfach möglich, von A-B in kurzer Zeit zu gelangen. Nichts desto trotz war mein letzter Aufenthalt in Saipina. Ich wurde wieder durch einen sehr sympathischen Herrn von Comarapa nach Saipina gefahren, wo ich wieder herzlichst von den dort vor Ort ansässigen Schwestern empfangen wurde. Nach langen Autofahrtstunden, suchte ich aber schleunigst das Schlafzimmer auf und ruhte mich aus für den nächsten Tag.

Tag 8 in Bolivien

Eine Schwester in Saipina konnte erneut ein wenig Deutsch, zur Freude meinerseits. Andererseits wollte ich trotzdem mit jeder neuen Bekanntschaft ein wenig Spanisch dazulernen. Bei traumhaftem Wetter spazierten wir durch das recht kleine Dorf. Wir besuchten zusammen einen Markt mit regionalen Spezialitäten, durften Kleinigkeiten probieren und vieles mehr. Wir kauften aber etwas Lebensmittel, darunter Reis, Gemüse, Obst, Öl usw. ein, da die Schwester meinte, wir fahren mit dem Taxi etwas außerhalb zu einer Familie. Nachdem wir ziemlich rasch eine gut gebaute Straße verließen und erneut auf Schotterwegen uns einen Hang hinauf bewegten, sah ich keinerlei Unterkünfte. Rein nur steinförmige, ich würde es als “Stein-Iglo´s” bezeichnen. Ich meinte zur Schwester, “Ich sehe hier keinen, sind wir richtig gefahren” ?. Die Schwester meinte, ja alles in Ordnung, wir sind am Ziel angekommen. Die Leute wohnen hier alle in Höhlen oder in diesen von mir deklarierten “Stein-Iglos´s”. Es war ein erneut schockierender, aber zugleich bewegender Moment, da man sich überhaupt nicht vorstellen kann, daß hier jemand wohnt. Die Familie die wir besuchten, umarmte uns direkt, obwohl sie mich natürlich nicht kannten. Einer der älteren Söhne hatte das Down-Syndrom, die Mutter war blind. Trotzdem meisterten sie alle ihr Leben. Auf eine Runde Fußball mit den Söhnen konnte ich nicht Nein sagen, da er sich wohl sehr gut mit Fußball Teams auskannte und mich auf “Lionel Messi & Cristiano Ronaldo” ansprach. Freut mich natürlich, daß er ohne Tv oder eine Chance in eine größere Stadt zu kommen, trotzdem sich gut auskannte. Man hat schnell vergessen, wo diese Familie und deren Nachbarn eigentlich wohnen & leben, da deren Herzlichkeit und offene Art das Ganze vergessen macht. Ich konnte es kaum glauben, als wir Ihnen die Lebensmittel überreichten und die Frau mit anderen Sachen zurückkam und uns es schenken wollte als Dank. In allen ein sehr emotionaler Besuch, da man es natürlich absolut nicht gewohnt ist. Das ganze “erdet” einen extrem. Zurück in dem kleinen Dorf Saipina bereitete ich mich schön langsam vor für meine “private” Weiterreise durch das Land. Die ungefähr 1 ½ Wochen, die ich gemeinsam in den verschiedenen Dörfern, Städten mit Pfarrern, Schwestern verbringen durfte, war eine grandiose Zeit.

Ich war sehr dankbar für das Erlebte und den tiefen Einblick in Familien, wo natürlich sonst nie ein Tourist jemals einen Schritt hingehen würde.

Weitere Reise durch Bolivien

Ich kann nur jedem dieses tolle Land empfehlen, eines Tages zu erkunden! Meine weiteren Stops auf der Reise waren u.a Sucre, Uyuni, La Paz, Copacabana.

Vor allem in Uyuni, wo weltweit die größte Salzwüste der Welt ist, “Salar de Uyuni”, bekommt man das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu sein. Ein Naturschauspiel der etwas anderen Art. Mir persönlich gefiel auch sehr die Millionenmetropole La Paz sehr gut. Erstmals landet man auf dem Flughafen, der höher gelegen ist als der Großglockner auf über 4.000m Seehöhe, was manch einen ganz schön mitnehmen kann, fährt aber dann anschließend nur auf ca. 3.500m Seehöhe in die Stadt runter. Man merkt die Höhe vor allem beim Treppensteigen im Hotel, oder wenn man mal schneller unterwegs ist, sehr stark. Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen,  in der Stadt die Doppelmayer (Ski-Gondeln), in La Paz als öffentliches Verkehrsmittel eingesetzt, zu benützen, und so von A-B zu fahren innerhalb der Stadt. Ein tolles Erlebnis, diese Art von Fortbewegungsmittel für uns als Österreicher zum Skifahren, nun in einer anderen Funktion zu erleben.