Montag, November 7, 2011, 09:58 PM
6.11.11Es ist bereits Mitternacht hier, und morgen geht um 11.00 Uhr der Flug.
Moechte nur noch kurz zusammenfassen:
Die Projekte laufen alle gut, habe alle besucht. Sehr erfreulich ist der Bau fuer die Frauen in Santa Cruz, Ende des Jahres wird er bezugsfertig sein. Hna. Rosamaria leitet das Ganze sehr gut. Die verschiedenen Familien, die unterstuetzt werden, leben etwas besser, einzelne Studenten kommen gut mit dem Studium voran. Fuer mich ist die "Arbeit" im Hospital in Santa Cruz immer wieder sehr interessant und oft abenteuerlich. Die Eingriffe in Comarapa sind erfolgreich verlaufen, es gab keine Infektionen. Die Kinder der "guarderia" dort bedanken sich jedes Mal mit Taenzen und Vorstellungen. Auch die dortigen Agrarprojekte koennen sich sehen lassen. Die Physiotherapie in der "albergue" wird gut genuetzt, heuer besonders fuer einen vorher vermeintlich aussichtslosen Fall.
Hna. Josefine kuemmert sich um die "cleferos", wir werden demnaechst ein Haus mieten (vorerst), wo sie zu Essen bekommen und sich waschen können. Auch der Besuch in Champarancho ist fuer mich immer ein Erlebnis, die dortigen "consultas" z. T. interessant.
Fuer kommendes Jahr werde ich dort fuer jeden Samstag ein warmes Essen fuer die 150 Kinder finanzieren. Stolz bin ich auf die "brillos", 11 haben es geschafft!
Habe die Besuche der Familien gezaehlt, es waren 53, z. T. war ich bei ihnen daheim, neue sind dazugekommen. Fuer das kommende Jahr gibt es wieder viel zu tun, einige Projekte habe ich im Kopf, muss die Ideen erst genau evaluieren.
Und nun bleibt mir nur noch, mich bei allen zu bedanken, die mich hier begleitet haben, und die mich unterstuetzen. Und ich kann wieder behaupten, die Investition lohnt sich, sie hat Nachhaltigkeit! Ich gebe die Dankbarkeit der Menschen hier an Sie alle weiter.
Ich freue mich sehr auf daheim, auch wenn ich hier noch viel zu tun haette.
Moechte wieder einmal ein paar Nudeln, oder Fisch, auf jeden Fall lange Zeit keinen "pollo" mehr....
Ihr B. Spechtenhauser
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Sonntag, November 6, 2011, 12:32 PM
4.11.11Immer wieder melden sich Leute fuer eine "consulta medica", und es geht den ganzen Vormittag so. Am Nachmittag habe ich eine Vorlesung an der Medizn-Uni, einer Privat-Uni, es geht um die medizinische Entwicklung in Europa, mit dem Augenmerk vor allem auf die minmal invasive Chirurgie. Man merkt natuerlich, dass die Studenten einen besseren finaziellen Hintergrund haben als all die anderen, mit denen ich hier arbeite. Sonst koennten sie sich das Studium nicht leisten.
Aber fuer mich ist das wieder eine sehr interessante und neue Erfahrung.
Spaeter bin ich im Hospital, es gibt einige Faelle mit Komplikationen, die ich mit Dr. Menacho bespreche. Auch das ist fuer mich interessant, und ich muss mich immer wieder in die Situation hier hinein versetzten, um Tips zu geben, denn die medizinischen Richtlinien von Europa kann man hier nicht eins zu eins uebertragen. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie mich die Aerzte hier inzwischen akzeptieren und um Rat fragen, waren sie anfangs lange doch sehr skeptisch und vorsichtig.
Heute ist zudem der 80. Geburtstag von Hna. Gundelinde, sie ist die Erste, mit der hier in Bolivien alles vor ca. 10 Jahren begonnen hat. Sie feiert in Comarapa, ich wollte urspruenglich auch noch einmal dorthin, doch es geht sich nicht mehr aus, das waeren ca. 12 Stunden Fahrt, hin und retour. War ja bereits letzte Woche dort, und wir haben darauf angestossen und viele Erinnerungen aufgefrischt. Das ganze Dorf ist dort auf den Beinen, die Leute wissen, was Hna. Gundelinde geleistet hat.
Sonntag, November 6, 2011, 11:06 AM
1.11.11Mein Flug nach Santa Cruz geht um 8:1 Uhr, muss eine Stunde frueher dort sein.
Um 9 Uhr komme ich in Santa Cruz an. Zunaechst treffe ich mich mit den Hnas. im Konvent, um weitere Punkte zu besprechen. Sie habe inzwischen den Kontakt mit der Schwester eines Jugendlichen aufgenommen, der auf der Strasse wohnt, 14 Jahre, keine Eltern hat und auch sonst niemenden, der sich um ihn kuemmert.
Nun wohnt er voruebergehend bei seiner Schwester, die verheiratet ist und Familie hat. Dort bekommt er auch Arbeit, und im kommenden Jahr werden wir fuer ihn seine Schule organisieren. Da er bei seiner Schwester nur voruebergehend wohnen kann, suchen wir fuer ihn ein Zimmer in ihrer Naehe und uebernehmen die Miete, so um die 300 pesos monatlich... Auch weitere "Faelle" werden besprochen, es werden 5 neue Familien unterstuetzt, die von den Hnas. genannt werden, da ich sie ja nicht kenne und nicht weiss, ob die "Investition" sinnvoll ist. Und ich bin froh darum. Am Nachmittag kommen weitere Familien zu mir.
2.11.11
Heute ist hier Feiertag, alle haben frei und sind auf den Graebern, also nicht am 1. Nov, sondern am 2. Nov. Ich fahre mit einem Taxi nach Montero, etwa eine Fahrstunde von Santa Cruz entfernt, um mich mit Bekannten dort zu treffen, eine Familie, die ich schon laenger kenne, sie haben mich eingeladen. Das Taxi, vom "Hotel" gerufen, bringt mich hin, es kostet 120 Bolivianos, was mir nicht so viel vorkommt, er faehrt gut und halbwegs sicher; ich gebe ihm noch ein Trinkgeld. Erst beim Zurueckfahren erfahre ich, dass es nur 40 Bolivianos kostet.. Wieder einmal hineingelegt worden, und wenn es auch keine gosse Summe ist, aergert es mich, und sie versuchen es immer wieder, ohne mit der Wimper zu zucken.
Aber der Vormittag ist interessant, ich schaue mir ein bisschen die Stadt an, werde mit dem Motorrad kutschiert, und dann bin ich zum Essen eingeladen. Die ganze Familie ist dabei, Eltern, Kinder, "primos", und Nachbarn, auch die 91 Jahre alte Grossmutter. Es gibt, "sopa", dann "pollo al picante", dazu ein Bier... Dann geht es wieder zurueck nach Santa Cruz. Um 15.00 Uhr treffe ich mich mit den Hnas., und wir besprechen die Abrechnung des Hauses fuer die Frauen. Sie machen alles sehr korrekt, gut dokumetiert, ich bekomme eine Abschrift. Auch einige andere Haertefaelle werden besprochen, wo ich die Unterstuetzung zusage.
Am Abend brauche ich dann ein bisschen Zeit nur fuer mich allein, es geht so viel in meinem Kopf herum, die Schicksale, das Elend der Menschen, die Aussichtslosigkeit..
Ich muss wieder einmal tief durchatmen, bei einem drink im "Bar Irlandes"... Dann geht es wieder..
Am Abend treffe ich mich mit zwei Paaren aus Kufstein, Renate kenne ich zufaellig vom Studio, die anderen nicht. Wir kommen aber drauf, dass wir alle in der gleichen Strasse in Kufstein wohnen. Man muss sich also in Bolivien treffen, um das herauszufinden....
Im "casa del Camba" ist geschlossen, daneben gibt es aber ein nettes Lokal, Fleisch ist das Besondere des Hauses, und wir essen gut und unterhalten uns gut.
3.11.11
Heute ist "Villa 1ero de Mayo" am Programm, das Hospital, treffe mich mit der Direktorin des Krankenhauses und mit Doctor Menacho. Die Besprechungen der speziellen Patienten ist fuer mich immer sehr interessant. Wir gehen die Station durch, und ich bin wieder sehr betroffen über die eingeschraenkten Moeglichkeiten hier, und trotzdem sehr beeindruckt, und man glaubt gar nicht, was ein Mensch alles aushaelt.. Aber das ist bei uns oft nicht anders...
Besuche natuerlich den "generador de osigeno", den Sauerstoffgerator, letztes Jahr eingeweiht, ueber die Rotarier finanziert. Der Anaesthesist sagt, das sei ein Segen!
Dann geht es ins "colegio", dort ist naemlich eine Tanzvorstellung fuer die Angehoerigen, und es wird getanzt, was das Zeug haelt, alle in speziellen, typischen Kostuemen, die alten Lautsprecher auf das Maximum eingestellt, die Baesse droehnen, das Pfeifen und Quietschen dazwischen stoert niemanden. Erst spaet fahre ich mit meinem Taxi heim und bin todmuede. Die Tage sind nun gezaehlt, habe noch ein paar Termine in den letzten zwei Tagen.
Sonntag, November 6, 2011, 11:03 AM
31.10.11Montag, 8:00 Uhr, treffe ich mit Alex, Xavier und Jhasmani beim Zahnarzt. Es gibt wieder ein paar Dinge zu richten, aber erstaunlich wenig. Die Zahnaerztin, die mir immer einen guten Preis macht, rechnen den Kostenvoranschlag zusammen, die Termine werden bereits vergeben, und am Ende kann Hna. Josefine alles "cancelar", also begleichen.
Dann ein Termin beim Augenarzt, Xavier bist stark kurzsichtig. Gemeinsam mit anderen drei suchen wir eine Brille fuer ihn aus, bei jeder Brille lachen ihn alle aus, er lacht aber auch mit... Dann warten noch einige im Konvent, Kranke, Mittellose, und ich weiss nicht mehr, wo und und wen ich helfen sollte. Hna. Josefine wird die dringlichsten "Faelle" aussuchen.
Um 11. Uhr holt mich Yolanda ab, wir fahren nach Sacaba, um Gustavo zu besuchen. Gustavo kenne ich ebenfalls bereits seit Jahren, er hoert jetzt dank der gesponserten Hoergeraete und kann mit seinen Freunden kommunizieren; auch das Reden geht jetzt ein bisschen. Er ist ganz angetan vom Besuch und freut sich riesig, ich habe lediglich ein paar "chupete" mit, Lutscher. Fuer das kommende Jahr kommt er in eine andere Schule, die von zuhause weiter weg ist, ich werde mich um den Transport kuemmern.
Wieder zuruck in Cochabamba besichtigen wir einige "casas", wir moechten fuer die "cleferos" eine Unterkunft, zunaechst ein Mal pro Woche ein warmes Essen, die Moeglichkeit zum Waschen, und fuer die Schwangeren eine Unterkunft zum Schlafen. Ein Haus ist dabei, welches sich sehr gut eignen wuerde, doch es ist bereits seit vormittag vergeben. Yolanda sucht weiter, und ich bin mir sicher, dass sie bald etwas Passendes findet. Dann sind wir bei den "cleferos", ich hatte ihen naemlich die Leibchen von F.C. Barcelona versprochen. Ich habe sie am Markt besorgt, und alle sind uebergluecklich. Nur kurz sind sie aus dem Kanal gestiegen, zum Fotographieren, dann verschinden sie alle wieder in den dunklen Kanal. Sie laden mich ein, dorthin zu kommen. Wir sitzen alle da, im Halbdunkel, auf den Fetzen am Boden, umgeben vom Geruch der "clefa" (= Schnueffeldroge) und Uringeruch, ich mittendrin, als waere ich einer von ihnen. Nur anfangs juckt es ueberall, es vergeht dann sofort, als jeder einzelne beginnt, ein paar Worte des Dankes zu formulieren, derweil die anderen stumm zuhoeren, und dann am Ende Beifall klatschen; und der Naechste ist dran....
Habe selten so etwas Beeindruckendes erlebt. Am Abend sollte ich noch das Haus von Jhasmani besuchen, Hna. Josefine kommt mit. Er hat mit seinem Ersparten ein kleines Zimmer, ein "cuarto" gebaut, es fehlen nur noch Fenster und Tueren, der Kostenvoranschlag belaeuft sich auf etwa 2000 Bolivianos.
In dieser Gegend wohnen noch andere der "brillos", wir besuchen noch Richard, Alex und Xavier, und dann vor allem Cristian. Ich hatte ihm nicht geglaubt, als er mit einem Lacher sagte, er wohne in der Tuer vor seinem Haus. Es ist wirklich wahr, und erschuetternd.
Er war naemlich ein paar Wochen nicht daheim in seinem "Haus", dann hat der neue Besitzer des Nachbarhauses eine grosse Mauer auch um sein Haus gebaut und abgeschlossen. Nun steht Cristian vor verschlossnen Tueren. Seine paar Habseligkeiten hat er an die Tuer gelehnt, ain zerlegtes Bettgestell, ein paar Toepfe und Fetzen, abgedeckt mit einer Plane.... Ich werde mit einem Rechtsanwalt von Santa Cruz versuchen, die Sache zu klaeren.
Am Abend bin ich dann bei Josefine und Sulman, wir essen gemeinsam, es gibt sogar ein Glas Weisswein (!), und reden noch ueber Vieles. Morgen frueh geht es nach Santa Cruz.
Donnerstag, November 3, 2011, 11:10 PM
30.10.11Bereits um 8 Uhr treffen wir uns im Konvent, es kommen 9 "brillos" (alle puenktlich,
eigentlich auffaellig puenktlich, es geht eben um einen Ausflug...), die von der ersten Stunde. Wir planen einen Ausflug, die beiden Hnas. kommen auch mit. Ziel ist Villa Tunari, offensichtlich ein viel besuchtes Ausflugsziel. Mit einem Sammeltaxi in ca 1 guten Stunde zu erreichen, ich verlasse mich darauf. Erst spaeter merke ich, dass noch niemand von ihnen dort war und allein die Hinfahrt gute 3 Stunden in Anspruch nehmen wuerde. In zwei Autos fahren wir los, es beginnt zu regnen, und es wird auch sehr kalt, auf einer Hoehe um die 4000 m. Am Ziel angelangt regnet es in Strömen, der Park ist wegen des Wetters geschlossen, an ein Bad am See gar nicht zu denken...Alle haben Hunger, ausser mir, und wir setzen uns in ein Lokal, ein "restaurante", und alle essen "pescado", Fisch also, ich bekomme bereits beim Zusehen genug, doch alle geniessen den Fisch und wundern sich, warum ich nichts esse. Ich verweise auf meinen "estomago delicado", trinke allerdings ein Bier... Danach gehts wieder nach Cochabamba zurueck, alle erzaehlen ihre Geschichten waehrend der Fahrt, und fuer sie ist der Tag unvergesslich... Erst am Abend kommen wir zurueck, ich bin durchnaesst und durchfroren, da es auch in Cochabmab regnet und relativ kalt ist, wir liegen immerhin auf etwa 3000 m.
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